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Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Floristmeisterin Heike Rehse-Gliesmann, in der Region bestens bekannt als „die Blumenbinderin“.

„Während meiner Schulzeit habe ich einen Test beim Arbeitsamt gemacht, der bei der Berufsorientierung helfen sollte. Am Ende des Tages stand dort Florist“, erzählt die Fuhlerin und fährt fort: „Ich wusste kaum etwas über den Beruf, also habe ich mir einen Praktikumsplatz besorgt, um mehr darüber zu erfahren. Die Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir seitdem nichts anderes mehr vorstellen kann.“

Zu ihren Aufgaben gehört es Schnitt- und Topfblumen zu pflegen und zu verarbeiten, den eigenen Laden, aber auch Kirchen oder Festsäle zu dekorieren. „Ich kann mit meiner Floristik bei fröhlichen wie traurigen Anlässen immer ein schönes Gefühl vermitteln, weil Blumen einfach etwas Positives auslösen“, sagt Heike Rehse-Gliesmann und ergänzt: „Jeden Tag habe ich mit Menschen zu tun, die sich freuen etwas Schönes bei mir zu bekommen.“

Besonders viel Freude bereitet ihr für jeden Kunden das individuell Passende zu kreieren, den Nerv zu treffen. „Besser hätte es nicht sein können“, solche Worte von Kunden sind für sie Ansporn.

Der Beruf des Floristen habe sich „vom reinen Blumenbinder zum Eventgestalter“ entwickelt, betont sie und fügt hinzu: „Ich arbeite heute viel feiner und kreativer als noch vor 20 Jahren. Damals hatten die Kunden noch nicht so einen hohen Anspruch an die Gestaltung. Heute ist alles farblich abgestimmt - von der Einladung über die Kleidung bis hin zur Saaldeko. Auch der Stil ist wichtig: wild, verspielt, Vintage oder Boho. Selbst die Bestattungskultur hat sich geändert, das, was bestellt wird, muss besonders sein.“ Die Meisterausbildung hat Heike Rehse-Gliesmann als Floristin vorangebracht. „Auf einmal konnte ich viel künstlerischer arbeiten, musste mir keine Gedanken über die Verkaufbarkeit machen, sondern konnte mich ausprobieren und viel Zeit mit einem Werkstoff verbringen. Davon profitiert meine Arbeit auch heute noch. Leider gibt es nur noch wenige Floristen, die den Meister machen und Auszubildenden das Verständnis für die Gestaltung beibringen.“ Sie selbst bildet aktuell nicht aus. „Sollte mir aber jemand über den Weg laufen, der unbedingt diesen Beruf erlernen möchte und fröhlich bei der Sache ist, würde ich jederzeit wieder ausbilden“, sagt sie.

„Wer Florist werden möchte, sollte ein offener Mensch sein, der gerne auf andere zugeht – und ein handwerkliches Geschick sollte auch vorhanden sein; den Rest kann man lernen“, so die Blumenbinderin und ergänzt: „Der Beruf ist sehr kreativ und abwechslungsreich. Auch wenn man oft in Serie arbeitet: Dadurch, dass jede Pflanze anders ist, wird es nie langweilig.“

Weil viele junge Menschen nicht wissen, wie umfangreich die Floristen-Ausbildung ist, gibt Heike Rehse-Gliesmann Schülern am Zukunftstag und im Rahmen von Praktika die Möglichkeit in den Beruf hineinzuschnuppern. Wünschen würde sie sich Auszubildende, die nicht nur ausprobieren, sondern mit Blumen arbeiten und gestalten wollen. „Dass man nach der Lehre zum Florist noch ein Studium zum Inneneinrichter anhängen und durch die praktische Ausbildung oft besser Räume gestalten kann, bedenkt kaum ein Mensch“, sagt sie, gesteht allerdings, dass es in der Region nur noch wenige Ausbildungsstellen gibt. „Wer dann allerdings seinen Gesellenbrief hat, braucht sich keine Sorgen zu machen: Bei dem Fachkräftemangel findet jeder etwas“, betont sie. Wer sich dafür interessiert, was die Floristmeisterin so alles gestaltet, sollte die Frühlingsausstellung bei der Blumenbinderin, Obere Brückenstr. 4 in Fuhlen am Samstag, 23. März von 10 bis 18 Uhr nicht verpassen. ah