Küchenmeister Christian Goedecke bei der Arbeit. ah

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Küchenmeister Christian Goedecke (Weinschänke Rohdental).

„Wir sind ein Familienbetrieb, da habe ich von klein auf mitgeholfen, bin sozusagen in den Beruf des Kochs hineingewachsen“, erzählt er - und dass er schon früh gerne mit Fleisch gearbeitet habe. „Die Koch-Ausbildung umfasst ein breites Spektrum: von der Verarbeitung von Lebensmitteln (mit Einhaltung der Kühlkette) und Zubereitung von Speisen über den Einkauf bis hin zur Organisation der Abläufe und Durchführung von Veranstaltungen“, erklärt er und ergänzt: „Bei der Prüfung ist neben Theorie die Zubereitung eines kompletten Menüs gefragt; da muss den Azubis schon klar sein, mit welcher Speise sie in der Küche beginnen.“

Christian Goedecke ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Beruf des Kochs nichts mit den Kochshows im Fernsehen zu tun hat. „Sterneköche gibt es natürlich, aber solch eine Küche funktioniert nicht als Ganztagsbetrieb. Alternativ gibt es zunehmend mehr 'Aufwärmer', die von Satellitenküchen beliefert werden – da kommt dann die Technik ins Spiel. Das ist die Zukunft, bei der allerdings das individuelle Kochen flöten geht.“

Für den Küchenmeister ist das Besondere an seinem Beruf etwas Schönes zu kreieren und anzurichten, das andere glücklich macht. „Wir wollen unsere Gäste nicht einfach nur sattmachen, der Besuch unseres Restaurants soll für sie ein Erlebnis sein – da muss die Zusammenstellung der Speisen, aber auch Optik und Geschmack stimmen“, so Goedecke. Über gut 300 Sitzplätze verfügt sein Restaurant, in dem die Besucher gutbürgerliche Kochkunst mit erstklassigen Wildgerichten sowie fangfrischen Forellen erwartet. „Frische zählt - die ist unseren Kunden wichtig“, betont er.

Laut Goedecke wird es immer schwieriger Menschen zu finden, die den Beruf des Kochs ergreifen wollen, „weil Köche arbeiten, wenn Familie und Freunde frei haben – abends und am Wochenende.“ Er selbst kommt um 8 Uhr in die Küche und verlässt sie gegen 22 Uhr, die Angestellten arbeiten im Schichtdienst.

„Wir bilden aus, Interessenten sollten allerdings mobil sein, um zu jeder Tageszeit und bei jeder Witterung ins Rohdental zu gelangen. Wer bei uns lernt und gut ist, kann sich auf der ganzen Welt bewerben“, so der Küchenchef und weist darauf hin, dass überall händeringend Köche gesucht werden. „Das ist harte körperliche Arbeit, mitunter auch im Akkord, zugleich muss man feinmotorisch geschickt sein“, erklärt er und sagt: „Wichtig ist, dass ein Auszubildender diesen Beruf auch wirklich will und sich klar darüber ist, dass Koch kein Bürojob ist. Das hat nichts mit dem zu tun, was im TV zu sehen ist, denn hier wird die Kochjacke dreckig.“

Für die Zukunft des Berufsstands sieht Goedecke eher düster: „Wer will sich das heute noch zumuten?!“ Dabei haben Kochgesellen interessante Aufstiegsmöglichkeiten: „Man kann sich zum Diätkoch weiterbilden, den Küchenmeister machen, in die Lebensmittelindustrie oder bei Zentralversorgern in die Küchenleitung wechseln“, betont er.