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Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor. Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Kfz-Meister Heinz-Willi Völkening.

„Eigentlich wollte ich Busfahrer werden, fand jedoch keinen Praktikumsplatz. Unser Lehrer hat dann für drei Leute aus unserer Klasse ein Praktikum in einer Kfz-Werkstatt besorgt“, erzählt Völkening, dem es von Anfang an Spaß machte, etwas zu reparieren und am Ende die fertige Arbeit in Händen zu halten. „Etwas instandsetzen, das Ergebnis begutachten, testen und feststellen, dass es funktioniert – das ist das Besondere an unserem Beruf“, erklärt er.

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Mechatroniker, bei der die Lehrlinge im ersten Jahr Feilen, Schweißen und Sägen lernen. Im Förderungs- und Bildungszentrum in Garbsen besuchen sie darüber hinaus Lehrgänge, die alle Arbeiten von der Mechanik bis hin zur Elektronik umfassen. „Im Betrieb gehen unsere drei Auszubildenden mit den fünf Gesellen mit, die sich spezialisiert haben – zum Beispiel auf Karosserie oder Fahrwerk“, so Völkening. Er selbst war nach seiner Lehre für Karosseriereparaturen zuständig und stieg nach dem Besuch mehrerer Lehrgänge zum Werkstattmeister auf. Nach einem halben Jahr auf der Meisterschule erwarb er den Kfz-Meisterbrief und bildete sich später zum Serviceleiter (dabei stehen BWL und Personalführung auf dem Lehrplan) weiter. Heute ist er Chef, Inhaber, Serviceleiter und Werkstattleiter in einer Person.

Waren es einst Reparaturen - vor allem am Auspuff, die auszuführen waren, steht für Mechatroniker mittlerweile die Fehlersuche mit Testgeräten im Vordergrund. „Ohne Tester und Anleitungen funktioniert heute in einer Autowerkstatt nicht viel: Die Elektronik wird immer mehr, mechanische Arbeiten am Fahrzeug dank guter Verarbeitung weniger“, so Völkening. Nichtsdestotrotz werden Kfz-Mechatroniker gesucht, macht das Autohaus Söffker im Steinbrinksweg 12 über Arbeitsamt, Schulen und Berufsfindungstag Werbung für den Beruf. „Wir suchen handwerklich geschickte junge Menschen, Hauptschüler mit guten Noten in Mathe, Deutsch und Englisch, bevorzugt aber Realschüler, da Nachhilfe neben der Ausbildung nur schwer zu bewältigen ist.“

Jedes Jahr bietet das Autohaus Söffker einen Ausbildungsplatz, in den letzten drei Jahren wurden alle Azubis übernommen. „Bei aller Technik: Wir brauchen qualifizierte Handwerker, die logische Zusammenhänge verstehen“, betont Völkening. ah