So sieht Schornsteinfegermeister Christian Bante aus, wenn er von der Arbeit kommt. Foto: privat

Sind Handwerksberufe vom Aussterben bedroht? So scheint es zumindest, denn nicht nur ortsansässige Handwerksmeister haben Mühe Auszubildende zu finden. Auch wenn Schüler während der Schulpraktika schon mal Betriebsluft schnuppern und Erfahrung sammeln können: Die meisten jungen Menschen möchten in eine größere Stadt und ziehen ein Studium einer Ausbildung im Handwerksunternehmen vor.

Handwerksmeister aus dem Stadtgebiet stellen im Schaufenster die vielfältigen Aufgaben in ihrem Beruf vor, um das Interesse des Nachwuchses zu wecken - in dieser Ausgabe: Schornsteinfegermeister Christian Bante aus Segelhorst.

Seinen Beruf habe er aus der Not heraus gewählt – eigentlich habe er Vermessungstechniker werden wollen, jedoch keinen Ausbildungsplatz gefunden, verrät Bante. Der beste Freund seines Vaters sei Schornsteinfegermeister gewesen und habe berichtet, dass sein Kollege Herbert Duckstein in Heßlingen einen Schornsteinfegerlehrling suche. „Im ersten Moment habe ich die Ausbildung nur mit schwarzen, schmutzigen Menschen in Verbindung gebracht, aber ich hatte einen guten Lehrherrn – und der hat mich schnell eines Besseren belehrt“, sagt er.

Wer sich für den Beruf des Schornsteinfegers interessiert, muss laut Bante in Mathematik, Physik und Chemie gute Leistungen erbringen, der deutschen Sprache mächtig („wir haben viel mit Menschen zu tun“), körperlich belastbar und schwindelfrei sein. Bante erinnert sich an sein erstes Mal, als er durch ein Dachfenster ins Freie gelangte und über den First marschierte - nur von hinten von seinem Lehrherrn gehalten. „Es war gut, Angst auf dem Dach habe ich nie gehabt“, betont er.

Im schwarzen Kehranzug, aber fast nie mit Zylinder ziehen der Schornsteinfegermeister und seine Mitarbeiter morgens um 7 Uhr mit Kehrbesen und verschieden großen Kehreinlagen zur Arbeit los. „Wir fegen vom Dachboden oder vom Dach aus, steigen aber nur bei guten Wetterbedingungen aufs Dach, nicht bei Schnee, Eis oder Sturm.“ Zum Kerngeschäft gehöre zudem Schornsteine, Feuerstätten und Heizungen zu überprüfen, Wohnraumbelüftung zu reinigen und zu beurteilen sowie Rauchmelder einzubauen und zu überprüfen. „Über 90 Prozent von uns sind heute auch Energieberater im Handwerk, stellen Energieausweise aus und bilden sich im Bereich energetische Optimierung von Häusern weiter“, sagt Bante und fährt fort: „Außerdem gehört es zur Berufspflicht eines bevollmächtigten Schornsteinfegermeisters, bei Schornsteinbränden der Feuerwehr Hilfestellung zu leisten, da die Freiwilligen hier auf dem Lande technisch nicht entsprechend ausgerüstet sind.“ Kundengespräche und Büroarbeit (um die Arbeitsvorgänge zu dokumentieren) runden den Alltag eines Schornsteinfegers ab.

Laut Christian Bante werden händeringend Lehrlinge gesucht, auch er selbst hat für Sommer 2019 noch eine Lehrstelle zu besetzen. „Wer sich dafür bewerben möchte, kann bei mir ein zweiwöchiges Praktikum machen - danach klären wir, ob das der richtige Beruf ist und ob die Chemie stimmt“, sagt er und ergänzt: „Ein Hauptschulabschluss reicht für die Bewerbung, gute Noten in Naturwissenschaften und Deutsch sind schon allein für den Blockunterricht an der Berufsschule in Langenhagen wichtig. Die Lehre dauert drei Jahre, ab der zweiten Hälfte des zweiten Lehrjahrs müssen Lehrlinge auch alleine aufs Dach - dabei muss niemand eine zirkusreife Leistung vollbringen, sondern sich nur sicher fortbewegen.“

Im Anschluss an die Gesellenprüfung den Schornsteinfegermeister zu machen, gehe relativ schnell, so Bante - „einen Job als Geselle/in finden junge Frauen und Männer nach der Lehre allerdings nur selten direkt vor Ort.“ ah